Mentalpower, Glücksgefühle und Regen

8. August 2017
Mentalpower, Glücksgefühle und Regen

Der go4health Sportwissenschafter Felix Weinzinger hat sich einer enormen sportlichen Herausforderung gestellt. 119 Kilometer mit insgesamt 3.848 Höhenmetern wollte er am Rad bei der Salzkammergut-Trophy überwinden. Dafür hat er sich monatelang vorbereitet. Lies hier, wie es gelaufen ist und was neben dem schlechten Wetter besonders herausfordernd war.

go4health: Felix, wie war dein Rennen?

Felix: Es war definitiv die bisher größte sportliche und mentale Challenge. Im Vorfeld habe ich Stunden um Stunden ins Training, in die mentale wie physische Vorbereitung investiert. Dieses Radrennen vereint alles: hunderte Kilometer und Höhenmeter, stundenlanges Konzentrieren und damit emotionale Anstrengung. Ich habe mir vorgenommen, die Strecke in 9 Stunden zu schaffen. Der richtige Trainingsplan und Mentalübungen haben mich fit gemacht. Ich habe 1.500 Kilometer und 15.000 Höhenmeter im Training abgespult. Meine Planung und meine Selbsteinschätzung waren treffsicher. 9 Stunden sind es geworden!

Vorbei an den Zusehern des Radrenners. Das gibt Motivation.

go4health: Wie warst du ausgestattet?

Felix: Mit leichtem Gepäck: Regenmontur, Elektrolytgetränk, go4health App, Helm, Ersatzschläuche, die ich zum Glück nicht brauchte, und eine ordentlichen Portion Motivation. Es regnet gleich von der Früh an. Aber das war mir zu dem Zeitpunkt egal. Ich war schon im „Rennmodus“. Da hält mich nichts mehr auf! Gleich die erste Steigung hatte 800 Höhenmeter in sich. Die Konzentration auf meinen Atem und meinen Tretrhythmus versetzten mich in einen Flow. Herrlich!

go4health: Ging es denn so weiter?

Felix: Leider nicht. Teilweise stand ich vor großen Schwierigkeiten. Die Radwege wurden durch den Regen immer schlechter, ich war durchnässt und durchfroren. Auch ein kleines technisches Gebrechen am Rad machte sich bemerkbar.

go4health: Waren das die größten Hürden?

Felix: Eigentlich nicht. Das war alles nebensächlich. Auch wenn es besonders der Salzberg, auf den ich mich in 10 Serpentinen bei einem Gefälle von 34 % hinaufarbeitete, in sich hatte. So ein Gefälle ist fast unmöglich zu fahren. Also stieg ich ab und schob. Aber neben den zig Anstiegen und Abfahrten, die meine Muskeln ermüdeten, war nach einigen Stunden die mentale Erschöpfung so groß, dass mein Kopf nicht mehr ganz wollte. Ich dachte immer wieder ans Aufgeben. Besonders die letzten 10 Kilometer vor dem Ziel, die in der Ebene auf der Straße zu fahren waren, brachten mich fast zur Resignation. So knapp vor dem Finish!

go4health: Wie hast du es doch ins Ziel geschafft?

Felix: Mit Pulsgurt und Streckenkarte ausgestattet, konnte ich die Route zu jeder Zeit gut überblicken und mir alles gut einteilen. Zudem habe ich mir Stellen ausgemacht, wo mich meine engsten Vertrauten motiviert und versorgt haben. Neben stärkenden Snacks, Getränken und trockener Kleidung haben mich aufbauende Worte immer wieder gestärkt. Und am Schluss habe ich mir gesagt: „Fahr die Tour fertig, du wirst stolz auf dich sein.“ Also trat ich weiter in die Pedale, bis ich über die Ziellinie geradelt bin. Das Rennen hat mir gezeigt, wie wichtig ein geplantes und strukturiertes Training ist. Darüber hinaus habe ich mir bewiesen, dass ich mehr kann, als ich oft dachte. Die Glücksgefühle, die sich langsam breit machten, als ich realisierte, was ich da geschafft habe, waren unbezahlbar. Jetzt überlege ich schon, welche Herausforderung ich als nächstes annehmen werden. Radrennen.

Bildnachweis: sportograf.com

 

Veröffentlicht in: Bewegung
Schlagwörter: , ,


© 2018 go4health GmbH. All Rights Reserved